Nachtrag: GDD07, Camps, Social Networks und ESRI?
Zwei Konferenzen in drei Tagen sind erfolgreich zu Ende gegangen, der Rückflug ist angetreten. Die Financial Times Deutschland erwähnt den Google Developer Day heute kurz, jedoch weniger unter dem Developer
und Community Aspekt sondern stellt heraus, dass Google mit Google Gears nun in den Bereich der Offline-Anwendungen vorstößt und somit Microsoft’s Officeprodukten (Word, Excel, PPT) Wettbewerb macht – mmhhh, ich weiß nicht so ganz, ob das wirklich die Quintessenz der gestrigen Veranstaltung gewesen sein soll. Die FAZ erwähnt das ganze gar nicht, durch die Süddeutsche bin ich noch nicht durch.
Eigentlich hätte ich noch für zwei weitere Konferenzen bleiben können:
Über’s Wochenende hostet Yahoo! das WhereCamp und ab Montag geht’s dann gleich mit der 5-tägigen Digital Earth-Konferenz weiter, die sich dann mehr mit dem Umweltschutzthema beschäftigt.
Das WhereCamp hätte mich noch interessiert. WhereCamp? Was ist das nun schon wieder? Ein Offsping des BarCamps? Und was sind BarCamps?
Also hier erstemal das WhereCamp: “WhereCamp will be the premiere gathering of geo-enthusiasts, web 2.0 and mobile developers, social place hackers, artists, grad students, geographers, earth scientists and anybody else who wants to ‘know their place’.” Mehr dazu unter http://wherecamp.pbwiki.com/WhereCampSF
Alles zu Barcamps gibt’s unter http://barcamp.org/
Das alles diskutiert man am besten mit Tim Bonnemann, der sich die German – American Business Alliance auf die Fahnen geschrieben hat.
Tim kenne ich noch aus Zivildienstzeiten von einem Lehrgang im Herbst 1992 in Ritterhude (Bremen) und einer anschließenden Low-Budget, Low-Tech Fahrradtour von dort heim, d.h. für ihn nach Köln und für mich damals nach Bonn.
Tim lebt seit 2005 in San Jose, arbeitet aktuell an der Einführung von Wikis bei Oracle und ist an allem, was Web2.0, Social Software und Social Networking betrifft interessiert und gestaltend mit dabei. Im Herbst 2005 hat er den ersten WebMontag in Deutschland (Köln) initiert, eine Veranstaltungsreihe, die sich äußerst gut entwickelt hat. Wie ich diese Woche erfahren haben, hätte es auch ein Donnerstag sei können, doch das ist eine andere Story.
Die erste WebMontag-Veranstaltung hatte er vergangenes Jahr einen Tag vor der Where2.0-Konferenz ausgerichtet, mit initialen 12 Teilnehmern. Inzwischen hat sich sein Kreis auf rund 70 erweitert, 100-120 sollen es bis Ende des Jahres werden.
WebMontag hatte eines dieser Camps zum Vorbild und verfolgt die gleiche Philosophie: meistens ist es so, dass das aufsummierte Wissen aller Zuhörer einer Veranstaltung weit größer ist als das dessen, der vorne steht und vorträgt. Warum also Geld für Konferenzen bezahlen? Die Teilnehmer wissen doch mehr als die Speaker.
WebMontage wie BarCamps und nun auch das WhereCamp organisieren sich von selbst über Wikis (z.B. www.webmontag.de), in die sich Teilnehmer wie vortragende eintragen und so das Veranstaltungsprogramm kolloaborativ wächst. Einen offiziellen Veranstalter gibt es meist nicht, wohl aber Sponsoren, die für free Food, free Drinks sorgen und kostenfrei Räume, Strom und Internet-Zugänge bereit stellen.
Bei den Camps steht meist ein Viertel der Vorträge so im Vorhinein fest. Der Rest ergibt sich zu Beginn des Tages vor Ort, in dem Leute einfach auch PostIts schreiben, was sie besonders gut können, und was sie davon anderen mitteilen möchten, um denen wiederum zu helfen. Die Post-Its auf den leeren Veranstaltungsplan auf der Pinwand gepostet und los geht’s. Oder einfach so rumsitzen, Rechner auspacken, sich gegenseitig die coolen sites zeigen oder beim Coden und Hacken helfen.
Un-Conferences (Nicht-Konferenzen) sind noch eine weiteres Derivat. Vom Titel her ganz klar an Konfererenzen orientiert. Ähnlich dem Pendant aus G8-Gipfel und G8-Gegen-Gipfel.
Muß aber nicht widersprüchlich sein. Die Web2.0-Konference mit der Web2.0-Expo hatte im gleichen Gebäude zur gleichen Zeit dieses Jahr ein Web2.0-Unconference. Diese war kostenfrei, die anderen kostenpflichtig. Was verspricht sich der Veranstalter davon? Anscheinend das Erreichen einer größeren Zielgruppe, das dem Event als ganzem einen noch höheren Stellenwert einräumt.
Das wäre doch mal was für die ESRI-Anwenderkonferenzen in Deutschland: ESRI müht sich redliche, jährlich eine gute Konferenz auf die Beine zu stellen (und in Salzburg und Erfurt ist das dieses und letztes Jahr ja auch gut gelungen), doch zittern sie auch immer, ob sie ausreichend Besucher bekommen (dieses Jahr waren es rund 800, vergangenes Jahr in Salzburg vielleicht 700).
Die Probleme sind jedoch auch immer die gleichen: ESRI bestimmt, wer welchen Vortrag hält, die Aussteller werden auf 10-Minuten-Vorträge im Rahmen des Lösungsforums verwiesen (und von den 3 eingereichten durften wir dann einen Vortrag halten), und auf der Ausstellung sind auch immer die gleichen Aussteller und die gleichen Besucher. Es ist sicherlich nett, alte Beziehungen wieder aufzufrischen, doch auf Dauer bringt das weder ESRI noch die Branche weiter. Nicht zuletzt fragt sich Firmenchef Dr. Gerhard Haude dann, warum die ESRI-Partner dieses Jahr nicht zur Umsatzsteigerung von ESRI Deutschland beigetragen haben.
Also: ich rege hiermit an, 2008 eine ESRI-Anwender-Un-Konferenz parallel zu halten: kostenfreier Eintritt und sobald sich ein paar Sponsoren gefunden haben auch kostenfreie Getränke und Essen und Wifi natürlich. Zielgruppe: all’ diejenigen, die eigentlich an den ESRI-Konferenzen interessiert waren, aber immer einen Grund hatten, doch nicht hinzugehen (zu teuer, zu einseitig, zu …).
Insbesondere junge, innovative Leute und die Forschung könnten wir so mit einbeziehen (um sie nicht ganz an die OpenSource-Community zu verlieren, damit sie uns morgen den Wettbewerb machen) und diejenigen, die wirklich Probleme haben die 350 EUR Eintritt aufzubringen. Und ich bin mir sicher, dass es in der eingefleischten ESRI-Community auch den einen oder anderen gibt, der auf parallel auf einer Un-Conference sein Wissen gerne an andere weitervermittelt.
Vorträge von jedem für jeden, Code-Sharing, Best-Practise von User zu User austauschen, Tipps & Tricks, … wäre doch mal was. Mit beiden Konferenzen zusammen würde man die 1.000 Teilnehmer-Grenze locker überspringen, vielleicht sogar gleich 1.500 oder 2.000 Leute mobilisieren können und ‘ne echte Community aufbauen.
All diese Dinge funktionieren natürlich nur unter Beteiligung engagierter, mündiger, kreativer, offener Leute. Sharing und Learning ist das Konzept: Informationen mit anderen teilen, austauschen. Fehlt es uns da noch an der entsprechenden Kultur in Deutschland? Oder dauerte es einfach nur noch eine Weile, bis wir diese Veranstaltungsformen vermehrt in Deutschland sehen?
We will see …
Hier noch ein paar Links für die, die das Thema Social Software weiterverfolgen wollen (Danke für die Zusammenstellung, Tim!):

Juni 2nd, 2007 at 23:26
Hi, Ole! Danke für die Erwähnung. Hat Spaß gemacht diese Woche. Vielleicht bis November zur Web 2.0 Expo in Berlin.
Juni 18th, 2007 at 14:52
Hallo Ole,
ich kann Deinem Vorschlag uneingeschränkt zustimmen: Ich denke, es kann der ESRI Community nur nützen, wenn viele Interessenten die Gelegenheit bekommen, im Rahmen einer solchen Veranstaltung kostengünstig (oder im besten Fall sogar kostenlos) aktuelle Informationen zu erhalten und sich auszutauschen.