Neben freier Software (Open Source) sind freie Geodaten stark im Trend.
Deutschland - wo aufgrund im weltweiten Vergleicher hoher Kosten für amtliche Geo-Basis-Daten - der Budget-Schmerz besonders hoch und die Affinität zu OpenSource generell gegeben ist, tut sich daher im Bereich Offener Geodaten hervor.
Zu nennen ist hierbei OpenGeoDB (http://opengeodb.hoppe-media.com/), ein im Aufbau befindliches Geo-Datenprojekt, zu dem jeder Koordinaten und Ortsnamen und Postleitzahlen und ähnlichens beisteuern kann:
“Im Mittelpunkt des Projektes OpenGeoDB steht der Aufbau einer möglichst vollständigen Datenbank mit Geokoordinaten zu allen Orten und Postleitzahlen im europäischen Raum (A, B, CH, DE und FL am 1. Dezember 2005). Dies soll vor allem durch die Beteiligung von möglichst vielen Personen geschehen, die diese zentrale Datenbank pflegen.”
Ganz interssant, ich verfolge das schon eine ganze Weile. Es scheinen die nicht-GIS-Leute am Werk zu sein, was man schwerlich an der einen oder anderen Frage im Diskussionsforum mitbekommt, doch das ist ja mal egal. Der Spirit scheint so hoch, dass man die technischen Hürden ohne viel Geo-/GIS-Background mit Gelassenheit nimmt.
Auch anderswo in Europa begegnen einem ähnliche Initiativen, z.B. Open Streetmap (OSM: http://www.openstreetmap.org/) aus England. Hier geht es mehr um die Erfassung von Straßenverläufen mittels GPS-Tracks und deren nachrangige Bearbeitung am Computer. Keine schlechte Idee, denn wer hat nicht schon tausende GPS-Track-Kilometer gesammelt, wieso diese also nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen (außer man hat Geo-Privacy-Issues). Die Herausforderung in dem Projekt liegt wohl eher darin, wie (und vor allem wer) denn diesen Berg von - im wahrsten Sinne des Wortes Spaghetti-Daten strukturieren und attributieren soll. Das ist aktuell gerade das Gegenteil einer Geodatabase
. Doch die Jungs sind äußerst aktiv, international anerkannt (z.B. zum zweiten mal als Speaker auf der Where 2.0-Konferenz in San Jose vertreten) und arbeiten inzwischen mit dem Ordinance Survey (quasi dem Landesvermessungsamt des United Kingdom) zusammen.
Scott Moorehouse, ESRI’s Chef-Entwickler, über Open Street Map’s Geodatenhaltung:
“It looks like they created a monster; now they’re trying to taim it”
Har er in einem persönlichen Gespräch auf der Where 2.0-Konferenz San Jose gesagt.
Für uns (alta4 Geoinformatik AG) als Partner von Tele Atlas, einem der beiden weltweit führenden Anbieter für kommerzieller Geodaten ist es natürlich immer von Interessse, zu schauen, was sich anderswo noch tut.
Daher haben wir (Danke an unseren Diplomanden Stefan Jung) ein paar Vergleiche angestellt, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Die Frage nach der Vollständigkeit bzw. dem Lieferumfang eines Deutschland-Datensatzes:
| |
OpenGeoDB |
Tele Atlas |
| Postleitzahlen |
8.190
|
8.240
|
| Ortschaften |
14.493
|
90.224
|
Also: bis auf 50 Postleitzahlen (= 0,2%) scheint OpenGeoDB alle drin zu haben.
Bei den Ortschaften sieht’s eher dünn aus, da kennt Tele Atlas 6x so viele.
Schaun wir noch ein wenig auf die Qualität:
Für Deutschland gibt es 16.432 eindeutige Ort-PLZ Kombinationen. Gegenüber den ~90.000 Orten welche in Teleatlas vorhanden sind ist OpenGeoDB doch recht lückenhaft.
Die Postleitzahlen einer Stadt sind immer an einen Punkt gebunden. So gibt es beispielsweise für Dresden eine Koordinate und alle Postleitzahlen von Dresden verweisen ebenfalls auf diese. Falls jedoch mehrer Orte dieselbe PLZ haben gibt es in der Regel für jede dieser einen eigenen Punkt. Es kommt jedoch auch vor, dass für kleine Ortschaften welche sich nah beieinander befinden nur eine Koordinate existiert.
Verknüpft über den Ortsnamen habe ich einmal alle TA Städte welche auch in OpenGeoDB vorhanden sind herausgeholt und über die Daten von OpenGeoDB gelegt. Die Abweichung zwischen den Koordinaten von OpenGeoDB und Teleatlas liegt ca. im Bereich von 0.01 Grad. Die Zahl kam jedoch durch Betrachtung in ArcMap zustande.
Fazit: wir werden erst mal bei Tele Atlas bleiben, für den professionellen Einsatz (z.B. zum Geocodieren von Adressen, selbst auf Ortsmittelpunkt genau) genügt die OpenGeoDB Datenqualität einfach noch nicht.